Wir lieben uns. Wirklich
Aber warum stressen wir uns manchmal eigentlich so effizient?
Es gibt diese Momente, da schaue ich meinen Mann an und denke:
Du bist mein Lieblingsmensch.
Und gleichzeitig:
Wie kann ein Mensch so viel Energie haben… und sie genau dann einsetzen, wenn ich innerlich schon auf der Palliativstation bin.
Willkommen in meiner Beziehung.
Oder genauer gesagt:
Willkommen im Aufeinandertreffen von sakralem Generator und mentaler Projektorin, wenn wir die
Welt des Human Design System kurz bemühen wollen.
Liebe ≠ Entspannung
Wir haben ja diese romantische Idee:
Beziehung = Ankommen. Durchatmen. Runterfahren. Netflix und Wein.
In der Praxis sieht das bei uns manchmal eher so aus:
Er: „Komm, lass uns noch schnell…“
Und ich hab schon beim Gedanken daran einen Akkuverlust von 20 %.
Zwei Nervensysteme. Zwei komplett unterschiedliche Energie-Logiken.
Er hat Zugriff auf konstante Energie. So eine „Ich könnte noch“-Grundhaltung.
Ich habe eher so ein „Ich könnte, weil ich gelernt hab, ich muss… aber sollte ich?“
Beziehung ist kein Spa-Bereich.
Eher ein gut gemeintes Experiment mit offenem Ausgang.
Das stabilste Element ist dabei die Liebe zueinander.
Erwartungen, die nie ausgesprochen wurden
Das Problem mit Erwartungen ist ja nicht, dass wir sie haben.
Sondern dass wir still davon ausgehen, der andere hätte sie bitte automatisch verstanden.
Ich nenne das gerne mentale Vertragsbedingungen ohne Unterschrift.
„Er muss doch merken, dass ich müde bin. Ich habe Augen wie ein Waschbär."
„Sie muss doch checken, dass ich Sport machen will. Die ganze Welt ist bei dem Wetter auf den Beinen."
Spoiler:
Menschen können viel. Gedankenlesen gehört meistens nicht dazu.
Und plötzlich ist die Beziehung belastet, doch nicht wegen dem, was gesagt wurde.
Sondern wegen dem, was nie ausgesprochen wurde
Wenn Rücksicht anstrengender wird als Konflikt
Es gibt diesen Punkt, an dem man so sehr versucht, rücksichtsvoll zu sein, dass es sich fast masochistisch anfühlt.
Ich nehme mich zurück. Ich sage nichts. Bloß keinen Stress machen.
Bitteschön, noch ein Kruzifix auf den Rückenschnallen, das gehört schließlich zu einem anständigen Märtyrer.
Und innerlich?
Ein leicht passiv-aggressives Feuerwerk mit bunten Elementen der Verzweiflung.
Know what: Rücksicht ohne Ehrlichkeit ist kein Frieden!
Es ist aufgeschobener Konflikt mit schöner Verpackung.
Und manchmal wäre ein ehrliches „Das nervt mich gerade wirklich“ die deutlich entspanntere Variante gewesen.
not-fun-fact: egal, ob Generator oder Projektor im Human Design:
wenn das Emotional-Zentrum offen/undefiniert ist, geht dieser Mensch mit Konflikt so gut zusammen wie Donald Trump mit Weisheit und Empathie.
Konflikt "lernen" ist eine der großen Aufgaben für diese Menschen.
Selbstmitgefühl statt Schuldzuweisung
Meine Haltung war: Das fühlt sich so schwer an, da läuft etwas falsch an dieser Beziehung.
Vermutlich ist es eher so: wenn es sich schwer anfühlt, sind einfach zwei Menschen beteiligt.
Mit Bedürfnissen, Grenzen und einem Nervensystem, das nicht immer kooperativ ist.
Denn dort sind uralte Muster abgespeichert, die im archaischsten Sinne über Leben und Tod entscheiden.
Dass das für eine moderne Beziehung nicht dienlich ist, kann man sich zwar theoretisch aneignen, aber ein reguliertes Nervensystem macht Wissen lange noch nicht.
Beziehungsstress bedeutet somit nicht automatisch, dass die Liebe fehlt.
Oft bedeutet es nur, dass wir vergessen haben, auch uns selbst mit einzubeziehen.
Ein bisschen weniger: „Warum bist du so?“ oder "Warum bist jetzt nicht so?".
Den Partner für das eigene Wohlbefinden verantwortlich zu machen, indem wir von ihm/ihr verlangen, so zu sein, dass wir uns wie in einer frischen Lage Pampers fühlen....läuft nicht.
Selfcare sagt eigentlich alles: SELF...bitteschön.
Also ein bisschen mehr: „Was brauche ich gerade – und wie sage ich das respektvoll?“
Vielleicht ist das der ehrlichste Punkt dieser Folge:
Nähe ist nicht deshalb anstrengend, weil etwas kaputt ist.
Nähe ist echt. Nähe ist wahr. Von echter Nähe gibt es keine remote-Version.
So entstand Stück für Stück in mir die Erkenntnis:
Es ist nicht der andere und nicht die Beziehung, die zu viel ist.
Es ist der Anspruch, dass sich immer alles durch den anderen leicht anfühlen soll.
Eine Beziehung ist nunmal keine Reparatur-Werkstatt für die eigenen Bedürfnisse.
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