Ich bin nicht gescheitert - ich bin ausgestiegen

Warum mein Job mich wiedergefunden hat. Und ich mich diesmal selbst.

 

Ich hatte mir fest vorgenommen, es diesmal anders zu machen.
Erfahrener. Gelassener. Abgeklärter.

Schließlich war ich ja nicht mehr neu in der Bankwelt.
Ich kannte sie.
Ich hatte sie schon einmal verlassen.

Und außerdem war ich ja "Expertin" in Sachen Stressmanagement & Co.

 

Und doch saß ich ein Jahr später wieder da.
Großraumbüro. Telefone. Deadlines. Menschen mit sehr dringenden Anliegen.

Und ich mit diesem ständigen Druck im System: Du MUSST das regeln für die!!! Die verlassen sich auf dich.
Plötzlich war da dieser leise Gedanke: Ach so?! Du bist immer noch so.

 


Die Dinge, die mich früher schon müde gemacht haben

 

Am Ende war eigentlich nichts Überraschendes dabei. 

Die hohe Servicebereitschaft, die nie endet.
Der Lärmpegel, der selbst dann nicht leiser wird, wenn man sich konzentrieren möchte.
Die Bearbeitungszeiten, die offiziell und theoretisch machbar sind – und praktisch nur mit innerem Dauerstress.

Und diese ganz besondere Stimmung zum Jahresende,
wenn alle gleichzeitig erschöpft, genervt und trotzdem ungeduldig sind.

Ganz ehrlich, vor allem die Kunden - meine Bastion...der Grund für's tägliche Aufstehen.

 

Ich kannte das alles.
Und ich hatte gehofft, dass ich es diesmal besser aushalte.

Ja, aber ging es denn um's Aushalten?

 


Was neu war: Ich konnte mir selbst dabei zusehen

 

Diesmal war ich nicht nur mittendrin.
Ich war auch Beobachterin.

Ich sah, wie ich mental abbauen konnte.
Nicht plötzlich. Sowas geschieht halt nicht von Dienstag auf Mittwoch.
Sondern schleichend.

Wie meine Zündschnur kürzer wurde.
Mein Schlaf schlechter.
Mein Körper schwerer.
Eine 1wöchige Krankmeldung auf einmal existierte.

 

Und..... ich sah, dass ich damit nicht allein war.

 


Wenn ein System krank macht – ohne böse Absicht

 

Viele meiner Kolleg:innen wirk(t)en ähnlich erschöpft.
Krankheitstage. Körperliche Beschwerden. Genervt sein.
Diese Art von Müdigkeit, die eben nicht mit einem freien Wochenende verschwindet.

Das ist auch kein persönliches Versagen. Niemals.
Und auch kein moralisches Urteil über diese Branche. Schon gar nicht über diesen Arbeitgeber.

Diese Bank-Welt ist nicht per se schlecht.
Aber sie ist für mich und mein System nicht korrekt.

 

Und das ist ein Unterschied, den ich früher nicht klar genug gesehen habe.

 


Resilienz heißt für mich nicht mehr: Durchhalten

 

Früher hätte ich das anders bewertet.
Als mangelnde Belastbarkeit.
Als zu sensibel.
Als „da muss man halt durch, das gehört dazu."

Heute sehe ich es etwas anders.

Resilienz heißt für mich nicht,
mich immer wieder in Umgebungen zu zwingen, die mich dauerhaft erschöpfen.

 

Nicht falsch verstehen: 

Ohne Schwierigkeiten, Challenges und "Probleme" können wir nicht wachsen.

Ja, wir müssen uns ab und an durchbeißen.

Weil wir sonst nicht lernen, nicht verändern, nicht besser werden.

Die Instagram-Society mit ihrem Bubble-Gebabbel von #lovemylife und #workingfromwherever

(die eigentlich meint "wie kann ich Geld mit möglichst wenig Arbeit unter Palmen verdienen"),

knickt beim ersten rauen Lüftchen um wie ein Papp-Strohhalm in einem Mojito.

 

Resilienz heißt faktisch widerstandsfähig zu sein.

Dazu gehören mehrere Aspekte wie z.B,

  • Akzeptanz zu kultivieren
  • Optimismus zu entwickeln
  • Emotionen zuzulassen
  • Sinn und Werte des eigenen Daseins zu kennen und zu leben
  • gesunde Beziehungen zu pflegen
  • Selbstwirksamkeit zu lernen

Ergo Ego:

Das bedeutete für mich, nicht länger Zeit damit zu verbringen,
Dinge tun zu müssen, die mich nicht (ganz) erfüllen –
und dadurch keine Zeit für das zu haben, wo ich wirksam bin.

 


Der Moment der Entscheidung war unspektakulär

 

Kein Drama.
Kein Zusammenbruch.
Kein großes Gespräch.

Nur diese Klarheit im neuen Jahr:
Ich möchte so nicht weitermachen.


Nicht aus Erschöpfung allein.
Sondern aus Selbstrespekt - Selbstmitgefühl - ja, Selbstliebe.

 

Ich bin für diese Welt nicht gemacht.
Und ich muss mich nicht passend machen, um als belastbar zu gelten.

Niemand muss das.

 


Und warum das der Übergang ist

 

Diese Geschichte ist kein Abschied vom Arbeiten.

Ganz im Gegenteil.
Sie ist ein Abschied vom Glauben,

dass da, wo wir Geld verdienen, auch immer Stress ist.

Stimmt nicht pauschal.

Genauso wenig stimmt es, dass Stress nur dort stattfindet, wo wir unser Geld verdienen.

Weit gefehlt. 

 

 

Denn was ich mitgenommen habe,
sind nicht nur Erfahrungen aus dem Job und Bewusstheit für das,

was ich wirklich tun will.

 

Sondern, dass wir den Stress latent immer im Gepäck haben.

Als Muster und innere hohe Ansprüche.

Wenn der "richtige" Knopf gedrückt wird, steigt die Stresskurve zuverlässig.

Dem Stress im Innern ist es nämlich völlig Pumpe, ob wir grade privat oder beruflich sind.

 

 


Denn Stress endet nicht mit einer Kündigung

 

Er zieht um.
In Beziehungen.
In Freundschaften.
In Familien.
In Wochenenden.
In Freizeitpläne, die genauso voll sind wie Kalender.

 

Und jetzt ist es an der Zeit, auch dort genauer hinzuschauen.

Dort beginnt die nächste Staffel. 

Bald.

Wenn ich nicht mehr so im Stress bin *muuuuaaaaaahahahaha*

 


Eine Frage zum Mitnehmen für dich:
Wo halte ich gerade noch durch – obwohl ich längst spüre, dass es mir nicht guttut?

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