Über innere Stärke, die leiser ist, als wir denken
Ich hatte mir Resilienz anfangs immer anders vorgestellt.
Als etwas, das man spürt.
Wie einen festen Stand, die absolute Power à la Tony Robbins.
Oder zumindest wie dieses Gefühl, den Überblick zu behalten, während um einen herum alles wackelt.
Stattdessen saß ich an einem ganz normalen Abend nach dem einem langen Arbeitstag und Tanztraining auf dem Sofa und dachte:
Ich bin nicht stärker geworden. Ich bin nur müder vom Kämpfen.
Und fragte mich, ob Resilienz vielleicht gar nicht das ist, was wir immer glauben.
Was viele von uns und ich unter Resilienz im Job oft verstehen
Im beruflichen Kontext klingt Resilienz nach:
- Belastbarkeit
- Durchhaltevermögen
- schneller Erholung
- professioneller Distanz
Kurz: nach Menschen, die viel aushalten, ohne sich viel anmerken zu lassen.
Hard worker mit Lotus-Effekt!
Ich dachte, ich wollte das auch können.
Und habe lange geglaubt, dass genau das der Maßstab ist.
Warum sich dieses Bild grade nicht mehr richtig anfühlt
Je erschöpfter ich werde, desto weniger hilft mir diese Vorstellung.
Denn sie lässt überhaupt keinen Raum für Zweifel.
Und keinen für Müdigkeit.
Resilient sein heißt irgendwie auch: nicht so viel fühlen.
Und genau das fühlt sich total falsch an.
In meinem stets wabernden Verstand habe ich diesen wunderschönen Begriff ad absurdum geführt.
Vielleicht noch jemand da draußen?
Vielleicht beginnt Resilienz kleiner als gedacht
Nicht in der lebensumwälzenden Krise oder dem großen Umbruch
Vielleicht fängt Resilienz viel schlichter an.
In diesen kleinen Momenten:
- wenn wir merken, dass etwas zu viel wird
- wenn wir innerlich kurz auf Pause drücken
- wenn wir spüren, dass wir gerade über uns selbst hinweggehen
Vielleicht ist Resilienz nicht das, was uns am Laufen hält.
Ist sie vielleicht genau das, was uns stoppen lässt?
Bevor wir uns selbst über den Haufen optimieren.
Eine Entscheidung, die niemand sieht
Es ist nicht die Entscheidung, alles zu verändern.
Nicht die Entscheidung, mutig, stark und kämpferisch zu sein.
Es ist eher eine dieser Art:
Hmm.. so möchte ich heute eigentlich nicht mit mir umgehen.
Das klingt total unspektakulär.
Fast zu klein, um darüber zu schreiben.
Und genau deshalb wird es vermutlich so selten ernst genommen.
Resilienz als Haltung statt als Leistung
Diese Haltung plärrt nicht: Ich schaffe das schon. Tschakka!
Sie flüstert; Ich höre mir gerade zu. In "Momo"-Manier.
Sie misst sich nicht daran, wie viel wir aushalten,
sondern daran, wie früh wir merken, dass etwas nicht mehr passt.
Im Job genauso wie im eigenen Inneren.
Der Alltag bleibt – aber er fühlt sich anders an
Die Arbeit verschwindet nicht.
Die Anforderungen auch nicht. Bad news, I know.
Doch die Anforderungen greifen nicht mehr überall gleichzeitig.
Manches darf einfach anstrengend sein,
ohne dass wir daraus sofort eine persönliche Schwäche machen.
Das ist keine Stärke im klassischen missverstandenen Sinn.
Es ist wie eine neue, ehrliche Form von Stabilität.
Vielleicht ist das die stillste Form von Resilienz
Resilienz heißt also nicht, unempfindlicher zu werden.
Es bedeutet vielleicht eher, sich nicht noch zusätzlich unter Druck zu setzen,
wenn der Druck ohnehin schon da ist.
Eine meiner schönsten Formen von Resilienz ist,
mir einzugestehen, dass manche Dinge für mich immer unglaublich mühsam sein werden.
Denn darin verborgen liegt die Erkenntnis, dass das keine Schwäche ist,
sondern meine Stärken woanders liegen.
Vielleicht ist Resilienz am Ende keine Eigenschaft.
Sondern eine Entscheidung.
Eine, die man leise trifft – und immer wieder neu.
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