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Vielleicht muss ich gerade nichts verändern

Über den ungewohnten Gedanken, nicht handeln zu müssen

 

Eine Zeit lang dachte ich, jetzt müsste etwas passieren.
Nach all den Einsichten.

Nach all dem Erkennen.

Schließlich bin ich Trainerin, Coach, Dozentin. Vorbild sozusagen.

Quasi gelebte Veränderungsbereitschaft und -fähigkeit auf zwei Beinen.
Zack! - Entscheidungen treffen, in Handlung treten.

Dann noch erschöpfend und höchst emotional berichten über "den Wandel", "Change" oder....festhalten

TRANSFORMATION.

Und bitte immer mit einem "Und DU kannst das auch. Glaub an dich!" im Phrasen-Gepäck. 

 

Doch dann war da plötzlich dieser andere Gedanke:
Vielleicht auch nicht.

Nichts von alledem.

Nix!

 


Das Bedürfnis, sofort etwas zu tun

 

Wir sind geübt darin, zu reagieren. Zu handeln.
Auf Probleme. 
Auf Unruhe. 
Auf das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. 

Geschwindigkeit bestimmt unser Dasein.

Ergo, etwas erkennen heißt oft:
Jetzt muss ich handeln.

Doch was, wenn dieses Reflexhafte eigentlich der anstrengende Teil ist?

 


Wenn Erkenntnis noch kein Auftrag ist

 

Zu merken, dass etwas schwer ist, bedeutet nicht automatisch,
dass man es sofort leichter machen muss.

Manchmal ist Wahrnehmung erstmal Arbeit genug.

Nicht alles, was uns bewusst wird,
muss gleich verändert werden. Es braucht Reifung.

Wahrnehmung verdient Zeit.

 

Den Erkenntnisblitz sofort wandeln zu wollen,                                                                                                  

ist wie ein Bild, das angefangen und nicht zu Ende gemalt wird.

Weil wir glauben, zu wissen wie das fertige Bild aussieht.

 

Ich gehöre selbst mit zweifelhafter Leidenschaft zur Gattung derer,

die Dinge gerne anfangen und nicht zu Ende bringen.

Warum? Weil mein Energiesystem sehr schwankungsintensiv ist.

Beobachten konnte ich das nun auch bei meinen Erkenntnissen.

Kaum eingetrudelt, wollte ich sie sofort in Handlung übersetzen.

Und hab mich geärgert, wenn sprichwörtlich "über Nacht" kein Ergebnis sichtbar war.

 

Was immer fehlte, war der Reifeprozess auf kognitiver und vor allem emotionaler Ebene.

Aber Speed-Dating mit dem eigenen Selbst funktioniert nicht.

 


Der ungewohnte Raum dazwischen

 

Zwischen Ich weiß etwas
und Ich tue etwas
liegt ein Raum, den viele kaum kennen.

Ein Raum ohne To-do.
Ohne Plan.
Ohne nächsten Schritt.

Er fühlt sich oft erstmal leer an.
Und natürlich gleichzeitig unsicher.          

Das ist menschlich.

 


Warum Nicht-Handeln so schwer auszuhalten ist

 

Nicht, weil nichts passiert.
Sondern, weil wir es nicht gewohnt sind, nichts zu verlangen.

Von uns selbst.
Von dem Moment.
Von der Zukunft.

Wir missinterpretieren diese Räume zwischen wissen und handeln.

Als Unwissenheit und/oder Unproduktivität.    

Nicht-Handeln fühlt sich an wie Stillstand.
Dabei ist es oft einfach nur Innehalten.

 


Vielleicht braucht es gerade eine andere Form von Mut

 

Nicht den Mut, etwas zu verändern.
Nicht den Mut, Grenzen zu setzen.
Nicht den Mut, neu zu beginnen.

Vielleicht braucht es gerade den Mut, nichts zu erzwingen.

Zu bleiben.
Zu beobachten.
Zu warten.

 


Wenn Ruhe nicht sofort beruhigt

 

Manchmal wird es erst mal unruhiger,
wenn man aufhört zu reagieren.

Gedanken tauchen auf.
Zweifel.
Ein leichtes Unbehagen.

Für unser Gehirn bedeutet dieses Warten Veränderung.                                                                                                

Das kann es zwar,                                                                                                                                                             

aber es greift lieber auf Vertrautes zu – starke neuronale Verbindungen.

Also müssen wir etwas machen, handeln, wursteln....irgendwas halt.

Hauptsache, es ist etwas getan.

 

Und hier sind die news:

Nicht-Reagieren bedeutet nicht, dass etwas falsch läuft.
Es bedeutet nur, dass etwas Raum bekommt.

 


Veränderung ohne Druck

 

Vielleicht bedeutet Veränderung nicht immer, einen guten Move zu machen.
Vielleicht bedeutet sie manchmal ein Unterlassen.

Ein Nicht-weiter-so.
Ein Nicht-mehr-antreiben.

Ein stilles Anerkennen dessen, was gerade ist.

 


Im Moment reicht vielleicht das Hiersein

 

Nicht wissen, wie es weitergeht.
Nicht festlegen, was richtig ist.
Nicht entscheiden, wer man jetzt sein muss.

Einfach hier sein.
Mit dem, was sich zeigt.

 


Vielleicht ist genau das genug

 

Nicht als endgültige Lösung.
Nicht als Zustand für immer.

Sondern als Moment.

Ein Moment ohne Forderung.
Ohne Verbesserung.
Ohne Ziel.

 

 


Hi Du, eine kurze Lesepause?

Wenn du bis hier gelesen hast,
dann hast du einiges bewegt.
Vielleicht ohne es zu merken.

Du hast Gedanken begleitet,
die nicht nach Lösungen gefragt haben.
Du hast Gefühle zugelassen,
die sonst oft schnell übergangen werden.

Das ist nicht nichts.


Vielleicht ist jetzt grade kein Weiterlesen nötig

Keine Sorge, die nächste Folge kommt.
Aber vielleicht darf bei dir erst noch etwas wirken.

 

Zwischen Verstehen und Verändern
liegt ein Raum, den man nicht immer füllen muss.

Ein Raum ohne Aufgabe und ohne nächsten Schritt.


Du musst hier nichts mitnehmen

Keine Technik, keine Übung.

Wenn etwas nachhallt, reicht das auch erstmal.
Wenn nichts nachhallt, auch gut.

Manche Texte wirken erst viel später.
Manche wirken leise und manche auch gar nicht – und auch das ist in Ordnung.


Vielleicht ist das gerade genug

Zu merken, dass du entschleunigter geworden bist.
Oder stiller.

Vielleicht auch gar nichts davon.

Diese Pause will nichts auslösen.
Sie will nur da sein.


Wenn du weiterliest

Die nächste Kolumne wird sich wieder bewegen.
Nicht schnell und schon gar nicht fordernd.

Das ist nicht mein Stil.

Aber ein wenig nach vorn geht es ab nächster Woche.

Du kannst jetzt aufhören oder später wieder zurückkommen.
Oder weiterlesen, wenn es sich stimmig anfühlt.


Und hey, bevor du gehst oder weitergehst,
vielleicht nur diese eine Frage für dich:

Was sagt dir dein momentanes Gefühl über das, was du gerade brauchen kannst?

 

Und wenn du merkst, dass du dir schwer tust, eine Antwort darauf zu finden, 

begleite ich dich gern, deinen inneren Kompass wieder neu auszurichten.

[email protected]

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