· 

Nein sagen ist schlimmer als Erschöpfung

Über das Zögern, das bleibt, selbst wenn man müde ist

 

Ich wusste, dass ich zu müde war.
Nicht erschöpft im Sinne von fix und alle – so à la kurz vor dem Zusammenbruch

Eher dieses alltägliche Wissen: Eigentlich wäre jetzt weniger total gut für mich.

Und trotzdem hörte ich mich sagen: „Ja, klar. Mach ich.“

Schnapp! – Falle zu, Affe tot!

Wieder mal. 

 

Gratuliere, Connie...gratuliere.

 


Das Nein, das nicht ausgesprochen wird

 

Es gibt ein Nein, das man gar nicht laut denkt.
Es taucht kurz auf.
Wie ein leiser Impuls.

Und verschwindet wieder.

Nicht, weil man es nicht meint.
Sondern, weil etwas anderes schneller ist.


Das kurze Zögern davor

 

Zwischen der Anfrage und der Antwort liegt manchmal ein winziger Moment.
Ein Atemzug.
Ein inneres Abwägen.

In diesem Moment ist alles noch offen. Der Raum der Möglichkeiten. Hell, klar, großartig.

Und doch fällt die Entscheidung oft vertraut aus.
Nicht, weil sie richtig ist.
Sondern, weil sie bekannt ist.


Warum Nein sagen sich so schwer anfühlt

 

Meine Theorie dazu: es ist nicht hauptsächlich wegen der Konsequenzen.
Nicht ausschließlich wegen der Bewertung der anderen.

Sondern wegen dessen, was es innerlich auslöst.

Ein Nein bringt Unruhe.
Ein Ja bringt Erschöpfung.

Und irgendwie fühlt sich Erschöpfung vertrauter an. 

Die Neuronen feuern auf gewohnter Ebene. Das Gehirn ist einem fragwürdigen Routinezustand.

Mitsamt dem bittersüßen Beigeschmack der Leistungsfähigkeit.

Ein Nein wäre etwas völlig Neues, ungewohnt und tendenziell gefährlich für unser Hirn.

 


Das Nein als innere Grenze

 

Grenzen sind nicht immer klar.
Oft sind sie nur ein vages Gefühl.

Ein leichtes Zusammenziehen.
Ein inneres Stocken.
Ein Gedanke, der sagt: Eigentlich nicht.

Doch Gefühle sind in unserer Welt eher leise.
Gewohnheiten sind laut.

 


Warum wir lieber müde sind als unbequem

 

Viele von uns haben gelernt, dass Anpassung Sicherheit bringt.
Dass Dazugehören wichtiger ist als Stimmigkeit.

Ein Nein könnte etwas verändern.
Ein Nein könnte Fragen auslösen.

Erschöpfung dagegen bleibt intim.

Man trägt sie mit sich.
Still.
Unauffällig.


Wenn das Nein im Körper landet

Das Nein wird also nicht ausgesprochen. So weit - so schlecht.
Aber es verschwindet nicht.

Es zeigt sich später:

  • als Müdigkeit
  • als Schmerz
  • als zunehmende Trägheit

Nicht sofort.
Aber zuverlässig.

 


Vielleicht geht es hier nicht um Mut

 

Nicht um Durchsetzung.
Nicht um Techniken.

Vielleicht geht es um Erlaubnis.

Die Erlaubnis, dieses Zögern ernst zu nehmen.
Ohne sofort etwas daraus machen zu müssen.

 


Im Moment reicht vielleicht das Wahrnehmen

 

Zu merken und anzuerkennen:
Da war ein Punkt, an dem ich etwas anderes gefühlt habe.

Ohne es zu bewerten.
Ohne es zu korrigieren.

Einfach nur wahrnehmen.

 


Vielleicht ist das schon ein Anfang

 

Nicht jedes Nein kann ab sofort ausgesprochen werden.
Aber jedes übergangene Nein hinterlässt eine Spur.

 

Und vielleicht ist es im Moment genug, diese Spur nicht weiter zu übergehen.

Sondern ihr mit dem Bewusstsein zu folgen.

Und alles weitere mit der Zeit entstehen zu lassen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0